Isabell Horn: Nach dem “GZSZ”-Aus “fiel ich in ein tiefes Loch”

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In ihrem neuen Buch
In ihrem neuen Buch "Bleibt das jetzt so?" teilt Isabell Horn ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Depressionen. / Source: Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, München

Seit 2020 gehört Schauspielerin Isabell Horn (38) zum Cast der ZDF-Serie “Bettys Diagnose”. Zuvor machte sie aber vor allem die Rolle der Pia Koch in der RTL-Serie “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” bekannt. Doch was vor den TV-Bildschirmen oft so perfekt scheint, kann in Wirklichkeit völlig anders aussehen. Nach ihrem “GZSZ”-Aus im Jahr 2014 sei Horn mit etwas konfrontiert worden, was sie nicht hatte kommen sehen: mit dem Thema Depressionen.

“Ich fiel in ein tiefes Loch und habe gespürt, dass ich da alleine nicht mehr herauskommen würde”, erklärt sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news. Ihre Erfahrungen schildert sie auch in ihrem neuen Buch “Bleibt das jetzt so?”.

Wie sind Sie darauf gekommen, ein Buch über Ihre Erfahrungen mit Depressionen zu verfassen?

Isabell Horn: Als ich damals all meinen Mut zusammengenommen und meine Gefühlslage offen und ehrlich mit meiner Community geteilt habe, war ich von der vielen positiven Resonanz komplett überwältigt. Mir wurde bewusst, dass ich nicht alleine mit dieser Krankheit dastand und dass es so viel Aufklärungsbedarf gibt. Es war mir ein großes Anliegen, meine Geschichte in meinem Buch zu teilen und die Tür zu einem offenen Umgang mit Depressionen zu öffnen.

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Wann haben Sie gemerkt, dass Sie womöglich unter einer Depression leiden könnten?

Horn: Nach dem plötzlichen Serien-Aus meiner Rolle Pia Koch bei “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass etwas nicht stimmen könnte. Ich fiel in ein tiefes Loch und habe gespürt, dass ich da alleine nicht mehr herauskommen würde. Damals wurde ich zum ersten Mal mit der Diagnose Depression konfrontiert und hätte niemals gedacht, dass ich einmal davon betroffen sein würde. Im Grunde stand ich doch mit beiden Beinen im Leben und es fehlte mir an nichts. Da merkt man wieder einmal, dass diese Krankheit vor nichts und niemanden Halt macht und es im Grunde jeden treffen kann.

Glauben Sie, dass es einen Auslöser gab?

Horn: Mir war und ist vollkommen bewusst, dass es, vor allem in täglichen Serien, zum Alltag gehört, feste Rollen auszutauschen. Dennoch kam für mich diese plötzliche Veränderung damals vollkommen überraschend. Parallel zerbrach meine Liebesbeziehung mit meinem damaligen festen Partner. Diese zwei Ereignisse haben es schließlich geschafft, meine Welt zum Wanken zu bringen und die Depression klopfte an meiner Tür.

Gab es einen bestimmten Moment, wo Sie gemerkt haben, dass Sie Hilfe brauchen?

Horn: Tagelang lag ich nur noch im Bett, habe nicht mehr regelmäßig gegessen und mich nicht mehr wirklich um mich selbst gekümmert. Mir war im Grunde alles gleichgültig und in mir drin gab es nur eine tiefe Leere. Schlussendlich hat mir meine Familie die Augen geöffnet und mir geholfen, professionelle Hilfe zu finden. Dafür bin ich ihr heute weit mehr als nur dankbar.

Was hat Ihnen persönlich aus der Depression geholfen?

Horn: Damals war für mich der erste Schritt, anzuerkennen, dass ich Hilfe benötige und mich nicht schämen muss, diese anzunehmen. Mit Hilfe meiner wundervollen Therapeutin habe ich wieder zu mir selbst gefunden und durfte viel über mich und den Umgang mit Krisen lernen.

Was möchten Sie anderen Betroffenen unbedingt mit auf den Weg geben?

Horn: Ihr seid mit dieser Krankheit nicht alleine! Leider gilt das Thema Depression nach wie vor als Tabuthema und wird gerne verharmlost. Bitte scheut euch nicht, professionelle Hilfe anzunehmen. Es gibt immer einen Weg raus!

Sie sind unter anderem als Influencerin tätig. Hatte die Social-Media-Welt Einfluss auf Ihre Depressionen?

Horn: Da man mich stets als lebensfrohe Isa kannte, die andere gerne zum Schmunzeln bringt und gute Stimmung verbreitet, war es für mich in den schweren Zeiten alles andere als leicht, offen und ehrlich über meine wahre Gefühlswelt zu sprechen. Ich hatte große Angst, auf Unverständnis und Ablehnung zu stoßen. Daher habe ich erst versucht, auf Social Media die “fröhliche Isa” zu spielen, aber das funktionierte natürlich nicht. Darum habe ich eine bewusste Pause eingelegt. Diese social-media-freie Zeit war immens wichtig für mich. Nachdem es mir besser ging und ich mich wieder gefestigt gefühlt habe, war es mir eine große Herzensangelegenheit, mit meiner Community offen über meine Gefühlslage zu sprechen. Dies tat ich dann auch und bin bis heute froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Ich musste mich nicht mehr verstellen und hatte wieder Freude daran, Momente zu teilen.

Seit 2020 gehören Sie zum Cast von “Bettys Diagnose”. Bekannt geworden sind Sie zuvor aber vor allem durch Ihre “GZSZ”-Rolle Pia Koch. Können Sie sich ein Comeback im Kolle-Kiez vorstellen?

Horn: Die Zeit bei “GZSZ” war sehr lehrreich für mich und ich erinnere mich immer wieder gerne an die vielen wundervollen Momente, die meine Rolle Pia Koch erleben durfte. Manchmal ist es doch schöner diese Momente als Erinnerung zu behalten, als ein neues Kapitel zu schreiben. Von daher wird meine Rolle Pia Koch wohl vorerst weiter als Djane auf Ibiza oder auf einem anderen Fleckchen Erde die Meute zum Jubeln bringen, aber wer weiß, was die Zukunft so bringt …

Wie erinnern Sie sich heute an die Zeit bei “GZSZ”?

Horn: Es war eine supertolle Zeit und ich habe dort nicht nur viel gelernt, sondern auch Freunde fürs Leben getroffen. Mit Sila Sahin oder Susan Sideropoulos bin ich beispielsweise regelmäßig in Kontakt.

Hilfe bei Depressionen bietet auch die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummer: 0800/111 0 111

(eee/spot)

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