“Mittelalterliches Manhattan”: Auf Streifzug durch San Gimignano

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Schon von Weitem sieht man die Skyline inmitten der toskanischen Hügel: San Gimignano wird wegen seiner vielen Türme auch “Mittelalterliches Manhattan” genannt und gehört seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Einst war sie nur Station für Pilger und Händler auf deren Weg nach Rom. Heute zieht die “Stadt der Türme” Italophile aus aller Welt an – ein Streifzug.

Geschlechtertürme ragen über 50 Meter in die Höhe

Wer sich für einen Urlaub in der Toskana entscheidet, hat die üblichen Verdächtigen auf der To-do-Liste: Siena, Florenz, Pisa, Arezzo. San Gimignano sollte man unbedingt dazupacken, denn nirgendwo sieht man die Geschichte besser als im mittelalterlichen Stadtkern. Der zeugt von den Machtkämpfen, die Patrizier-Familien des Ortes untereinander austrugen, indem sie einen Geschlechterturm nach dem anderen errichten ließen – je höher, desto prestigeträchtiger. Von den 72 Geschlechtertürmen existieren in San Gimignano heute noch 13, wie etwa der “Torre dei Becci” und der “Torre Grossa”.

Die Wurzeln des 7.000-Seelen-Städtchens reichen zurück bis zu den Etruskern, die San Gimignano bereits um 300 v. Chr. besiedelten. Viel Aufmerksamkeit erlangte der Ort durch die Via Francigena (deutsch.: Frankenstraße), die quer durch den Kern verlief. Händler machten auf ihrem Weg nach Rom Halt, es entstanden Spitäler, Gastwirtschaften und Unterkünfte für die Durchreisenden.

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Stadt-Streit: Dante Alighieri wollte vermitteln

Die drei alten Stadttore Arco della Cancelleria, Porta Santo Stefano und Arco die Becci zeigen heute die Stellen, an denen die ursprüngliche Stadtmauer verlief. San Gimignano, das nach einem Bischof aus Modena benannt wurde, wollte sich stets aus dem Dunstkreis des 50 Kilometer entfernten Machtzentrums von Florenz heraustreten. Konflikte und Streitigkeiten waren vorprogrammiert, sodass sogar Dante Alighieri in diplomatischer Mission im Jahr 1300 nach San Gimignano reiste. Dort amtierte er als eines von sechs Mitgliedern des Priorats, des höchsten Gremiums der Stadt und versuchte, zwischen den verfeindeten Parteien zu vermitteln – vergeblich. Stark von einem Ausbruch der Pest geschwächt, begab sich die Stadt 1352 schließlich unter den Schutz von Florenz.

Toller Ausblick vom “Torre Grossa”

Schlendert man heute durch die Gassen, vorbei am “Palazzo del Podestà”, “Palazzo Pratellesi” und der Burgruine “Rocca di Montestaffoli”, spürt man von dem mittelalterlichen Zwist nichts mehr. Gleich neben dem “Palazzo Comunale” geht es hinauf auf den “Torre Grossa”. Der Ausblick ist die Mühsal des Aufstiegs allemal wert. Kunstfreunde kommen in der Kirche Sant’Agostino auf ihre Kosten: Viele Fresken schmücken den Chor und der Kreuzgang lädt zum besinnlichen Flanieren ein.

Zwischendurch kann man auf dem Treppenaufgang, der zum Dom führt, eine Verschnaufpause einlegen und das Treiben auf der “Piazza del Duomo” beobachten. Die Daheimgebliebenen freuen sich sicher über eine Flasche des hiesigen Weines “Vernaccia di San Gimignano” – cin cin!

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